depression.ch - ein angebot für betroffene und ihre angehörigendepression.ch
DE  FR  
Sitemap  Home

Depression bei älteren Menschen

nach C.G. Gottfries und I. Karlsson: Depressionen im Alter; 1997.

10 bis 45 % der älteren Menschen leiden unter Depressionen
Vielfältige Risikofaktoren für eine Altersdepression
Anzeichen einer Altersdepression
Depressive Störungen werden bei älteren Menschen oft nicht erkannt und nicht oder unzureichend behandelt
Antidepressive Medikamente und Psychotherapie helfen meistens

10 bis 45 % der älteren Menschen leiden unter Depressionen

Der Anteil älterer Leute an der Gesamtbevölkerung steigt stark an. Damit und mit der heutigen Lebenssituation älterer, insbesondere pflegebedürftiger Menschen, steigt auch die Zahl psychischer Erkrankungen im Alter. Depression ist ohnehin eine der häufigsten Krankheiten. Im Alter steigt die Wahrscheinlichkeit, an einer Depression zu erkranken noch mehr. Dies trifft vor allem auf ältere Menschen in Heimen und Spitälern zu. Auch die Tendenz zur Selbsttötung steigt mit dem Alter. In den meisten Industrieländern ist die Suizidrate bei den Männern über 65 am höchsten.

Vielfältige Risikofaktoren für eine Altersdepression

Eine Depression wird von vielen Faktoren mitverursacht. Folgende Faktoren beeinflussen vor allem eine Depression im Alter:
  • der normale Alterungsprozess (anderer Hirnstoffwechsel begünstigt Depression)
  • Erkrankungen wie Demenz, Herz-Kreislauf-Krankheiten oder Krebs (Depression als Begleiterkrankung)
  • Nährstoffmangel (bei Depressiven wurde eine zu geringe Konzentration an Vitamin B12 und an Folsäure festgestellt)
  • bestimmte Medikamente können das Risiko einer Depression erhöhen
  • einschneidende, belastende Erlebnisse (Gesundheitsprobleme, finanzielle Probleme, Todesfälle/ schwere Erkrankungen von Angehörigen, etc.)

Anzeichen einer Altersdepression

Im Prinzip ist die Altersdepression durch die gleichen Anzeichen wie eine Depression bei jüngeren Menschen gekennzeichnet. Oft getrauen sich ältere Menschen jedoch nicht, eine verschlechterte Stimmungslage zuzugeben oder gar als Krankheitssymptom zu bezeichnen. Depressive ältere Menschen sprechen eher über ihre Ängste, die aufgrund einer schweren Depression fast paranoide (verfolgungswahnähnliche) Züge annehmen können. Angst und Panik können von Herzklopfen, Zittern und Schwindel begleitet sein. Ausserdem klagen ältere Depressive überdurchschnittlich häufig über körperliche Beschwerden. Am häufigsten werden genannt:
  • Kraftlosigkeit/schnelle Ermüdung
  • Kopfschmerzen
  • Herzklopfen
  • Schmerzen
  • Schwindel
  • Atemnot, Kurzatmigkeit

Depressive Störungen werden bei älteren Menschen oft nicht erkannt und nicht oder unzureichend behandelt

Ältere Menschen suchen eher nach körperlichen Ursachen für ihre Probleme und sprechen auch nicht gern über psychische Probleme. Auch von der Umwelt werden die Anzeichen einer Depression meist nicht als Krankheit erkannt, sondern dem normalen Alterungsprozess zugeschrieben. Da die Anzeichen einer Altersdepression unter Umständen durch andere Krankheitsbilder verschleiert werden, fällt es oft auch Fachpersonal schwer, eine Depression zu erkennen. Wird die Depression doch als solche erkannt, werden Antidepressiva oft in zu geringer Menge oder zuwenig lange eingenommen.

Antidepressive Medikamente und Psychotherapie helfen meistens

Wie auch bei jüngeren depressiven Patienten kommt eine Psychotherapie und/oder eine medikamentöse Behandlung in Frage. Wichtig ist auch eine sinnvolle Beschäftigung. Eingesetzt werden heute mit gutem Erfolg vor allem moderne Antidepressiva, die kaum Nebenwirkungen haben. Da bei älteren Menschen oft Faktoren eine Depression begünstigen, die bis ans Lebensende dauern werden (z.B. Krebserkrankung), empfiehlt es sich, dass diese Antidepressiva auch über lange Zeit hinweg eingesetzt werden. Diese Medikamente helfen überdies auch meistens gegen Angststörungen, welche die Depression begleiten können. Mehr Informationen finden Sie im Kapitel Behandlung.

www.kommunikation.uzh.ch/static/unimagazin/archiv/1-99/psychiater.html
Artikel "Mit 80 zum Psychiater?" - aus dem Unimagazin Zürich vom gerontopsychiatrischen Zentrum Zürich