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Wann sind Männer besonders gefährdet?

Im Leben des Mannes gibt es ein paar Stationen, wo er besonders anfällig für eine Männerdepression ist. Dazu gehören:

Geburt eines Kindes/Verlust eines Angehörigen
Die Geburt eines Kindes - vor allem des ersten - ist für den Mann (wie auch für die Frau) mit vielen Herausforderungen und Belastungen verbunden. Neben "äusseren Veränderungen" wie einer Veränderung in der Partnerschaft, neuen Aufgaben im Haushalt, neue Freizeitgestaltung sehen sich Männer auch "inneren Veränderungen und Herausforderungen" gegenübergestellt: Sie sind auf einmal aufgefordert eine emotionale Beziehung zu einem Menschen herzustellen, der nach völlig "unmännlichen" Prinzipien funktioniert. Mit sachlichen Argumenten, Vereinbarungen, coolem Auftreten lässt sich auf einmal nichts mehr ausrichten. Es wird vom Säugling weder geschätzt noch belohnt. Vielmehr ist kindliches oder kindisches Verhalten an der Tages- und auch an der Nachtordnung. Gleichzeitig hat die Partnerin keine Zeit mehr, da sie sich (alleine) um das Kind kümmern muss. Der Mann fühlt sich ausgeschlossen.

Viele Männer reagieren mit Flucht auf diese Situation: Sie flüchten sich in ihre Arbeit, ihre Hobbies (Sport), sind dadurch oft weg, fühlen sich noch mehr ausgeschlossen, reagieren in ihrer emotionalen Überforderung gereizt und ablehnend auf die junge Familie. Die wenigen Familienmomente, die bleiben, gehen schief, was wiederum den Fluchtimpuls verstärkt.

Dieser Teufelskreis kann der Beginn bedrohlicher Entwicklungen werden. Natürlich ist auch die Mutter in dieser Zeit überdurchschnittlich gefordert, ein fehlender Vater ist also doppelt schlimm.

Veränderte Arbeitssituation
In unserer Gesellschaft spielt die Arbeitsstelle und die Position eine wichtige Rolle. Je höher der Status der Arbeit, der man nachgeht, desto höher der soziale Status. Viele wollen deshalb beruflich weiterkommen. Ein grosses Frustrationspotential besteht bereits bei abgelehnten Bewerbungen, abgelehnten Beförderungen oder dem Vorzug anderer Mitarbeiter im täglichen Geschäft.

Veränderungen sind immer mit einer erhöhten Belastung verbunden, welche Männer unterschiedlich gut ertragen. Neben der Herausforderung, die neue Aufgabe gut zu bewältigen, stellen sich Fragen, wie man von den neuen Kollegen akzeptiert werden wird, ob die Chemie mit dem neuen Chef stimmen wird etc. Unter der Belastung leiden Männer in allen Positionen, auch in höchsten Stellungen. Gerade sie sind extremen Erwartungen ausgesetzt und gerade sie scheuen sich vielleicht, Überforderungen einzugestehen, Schwächen zuzugeben, über Ermüdung zu sprechen. Möglicherweise würden sie damit ihre ganze Karriere aufs Spiel setzen, für die sie doch schon das ganze Leben hart gearbeitet haben. Damit sind wir schon mitten im Mechanismus der Männerdepression.

Gerade weil der berufliche Status für den sozialen Status so wichtig ist, tun sich viele Männer schwer, hier über ihre Gefühle zu sprechen. "Man ist doch einfach erfolgreich und wenn nicht, sind die anderen schuld". Es ist klar, dass es in den Männern eine andere Realität gibt und sie mit Verunsicherung, Selbstzweifel und Verletzungen kämpfen. Gegen aussen wird das unterdrückt, mit einem Bier runtergespült, mit Sprüchen abgetan. Wenn sich die Probleme damit verflüchtigen, hat man Glück gehabt, wenn nicht, beginnt hier die Männerdepression.

Midlife Crisis
Zwischen 40 und 50 Jahren kommen viele Männer in einen Lebensabschnitt, wo sie sich und ihr Leben hinterfragen: "das soll es gewesen sein?" Unzufriedenheit, Aussichtslosigkeit, keine Veränderungsmöglichkeiten sind der Nährboden für depressive Gedanken und Gefühle. Die Männerdepression wird dann aktuell, wenn der Betroffene versucht, die Depression mit männlichen Strategien zu bekämpfen. Erhöhter Konsum von Suchtmitteln, Seitensprünge und Partnerwechsel sind bekannte Reaktionsformen.
Biologisch verändert sich in dieser Zeit auch der Hormonhaushalt: es wird weniger Testosteron produziert. Diese Hormonumstellung führt ihrerseits schon zu Störungen des Allgemeinbefindens und der Leistungsfähigkeit, man wird schneller nervös, ist reizbar und fühlt sich ständig müde.
Dazu kommen noch Alterserscheinungen wie Haarausfall, Bauchbildung, Prostatabeschwerden und faltige Haut, die einen Mann auch psychisch belasten.