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Krisensituationen

Depression - eine lebensgefährliche Krankheit
Wann ist die Selbstmordgefahr gegeben?
Rasche Hilfe bei Krisen
Suizidal gefährdete Menschen

Wenn Sie sofort Hilfe brauchen, wenden Sie sich bitte unverzüglich an eine der nachfolgenden Stellen:
  • Hausarzt
  • Ärztlicher Notfalldienst
  • Dargebotene Hand Tel. 143
  • Psychiatrisches Kriseninterventionszentrum in Ihrer Region

Depression - eine lebensgefährliche Krankheit (W.P.)

Ein besonders gefährliches Problem der Depression stellt die Neigung dar, sich das Leben nehmen zu wollen. Die Selbstmordneigung der Depressiven kommt aus dem Gefühl der Ausweglosigkeit, dem absoluten Pessimismus und der Hoffnungslosigkeit. Depressionen zählen zu den häufigsten Ursachen von Selbstmordhandlungen, seien es nun Selbstmorde oder Selbstmordversuche.

Es ist daher bei jedem Depressiven wichtig zu wissen, wie gross das Selbstmordrisiko ist. Man kann dies am besten dadurch abzuschätzen versuchen, indem man die Patienten direkt darauf anspricht, wie intensiv und wie häufig sie an Selbstmord denken. Es wurde lange Zeit die Meinung vertreten, man solle mit Depressiven nicht über dieses Thema sprechen, weil man sie dadurch erst auf die Idee bringen könnte, an Selbstmord zu denken. Dies ist grundfalsch, weil jeder Depressive zumindest an die Möglichkeit denkt und in der Regel Erleichterung verspürt, wenn er darüber reden kann.

Wann ist Selbstmordgefahr gegeben? (W.P.)

Weitere Hinweise, um die Gefahr abschätzen zu können, erhält man, indem man die Betroffenen fragt, ob sie generell an die Möglichkeit eines Selbstmordes denken oder ob sie auch konkrete Vorstellungen haben, wie sie es tun würden. Je konkreter die Vorstellungen sind, desto grösser ist das Risiko. Dieses Risiko ist noch grösser, wenn die Betreffenden schon Vorbereitungen getroffen haben, also beispielsweise bei verschiedenen Ärzten sich Rezepte für Schlafmittel verschreiben liessen oder sich eine Schusswaffe beschafften.

Professor Erwin Ringel hat drei wichtige Anzeichen beschrieben, die auf eine besondere Neigung zum Selbstmord bzw. zum Suizid, wie der Fachausdruck heisst, hinweisen:

1. Die Einengung
Die betreffenden Patienten fühlen sich in einer eingeengten Situation, aus der sie schwer heraus können. Sie beschäftigen sich auch gedanklich immer wieder mit dieser Problematik und erfahren auch zwischenmenschlich eine Einengung, indem sie sich zunehmend isolieren und vereinsamen.

2. Die Aggressionsumkehr
Sie besteht darin, dass Menschen, die unter Aggressionen leiden und diese aus verschiedenen Gründen nicht ausleben oder diskutieren können, diese gehemmten Aggressionen dann gegen die eigene Person richten.

3. Die Todesphantasien
Suizidgefährdete Menschen beschäftigen sich in ihren Gedanken mit den verschiedenen Möglichkeiten, sich das Leben zu nehmen oder stellen sich auch vor, wie die Angehörigen trauern würden, wenn sie einmal tot sind. Sie können sich auch über das eigene Begräbnis Vorstellungen machen. Bestehen derartige Todesphantasien, ist es wichtig danach zu fragen, ob diese Phantasien bewusst herbeigeführt werden oder ob sie sich ungewollt aufdrängen. Je mehr sich diese Ideen aufdrängen, um so grösser ist das Risiko.

Rasche Hilfe bei Krisen (W.P.)

Da Selbstmordgedanken und Selbstmordabsichten sehr häufig sind, kann man selbstverständlich nicht alle diese Patienten im Spital behandeln. Aber es ist äusserst wichtig, dass sie sehr rasch einer ärztlichen Behandlung zugeführt werden, denn man kann nicht nur die depressive Stimmung, sondern auch speziell diese Suizidgedanken und -absichten behandeln. Es ist daher sehr wichtig, Depressive dazu zu bewegen, einen Arzt aufzusuchen oder aber zumindest anonym die Telefonseelsorge oder ein Kriseninterventionszentrum oder einen Psychosozialen Dienst anzurufen. Diese Einrichtungen befinden sich im Ausbau. Telefonnummern sind vom Arzt zu erfragen bzw. dem örtlichen Telefonbuch zu entnehmen.

Suizidal gefährdete Menschen

(nach S.Kasper, H.-J. Möller, F. Müller-Spahn, Depression, 2002, Thieme Verlag)

Im Umgang mit den suizidal gefährdeten Depressiven ist es wichtig, eine wohlwollende, verständnisvolle, unterstützende Grundhaltung zu praktizieren. Dazu gehört, dass man u.a. die Suizidalität des Patienten als Faktum hinnimmt und nicht durch direkten oder indirekten Druck in Frage stellt. Man versucht dem Patienten zu vermitteln, dass es in seiner aktuellen Lebenssituation, z.B. angesichts der Schwere der Depression, verständlich ist, dass er Lebensunlust und Suizidgedanken verspürt und dass dieses auch viele andere Patienten in gleicher Situation durchmachen.

Zum Gespräch gehört auch, die Bindung zum Leben und die Hoffnung auf eine zu erwartende Besserung anzusprechen und zu betonen. In dem Zusammenhang ist auch die Einbeziehung von positiv erlebten Bezugspersonen, insbesondere von Lebenspartnern, wichtig.

Ganz bedeutend ist in dieser Phase eine engmaschige ärztliche Betreuung des Patienten. Das Angebot, dass der Arzt auch telefonisch jederzeit erreichbar ist, wird auch von einsamen Patienten meistens in kritischen Situationen häufig genutzt. Bei schwerer Suizidalität ist eine Behandlung auf ambulanter Basis nicht möglich, sondern der Patient muss stationär in einer Klinik behandelt werden.